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Bio-Markt


ANTWORTEN AUF CORONA-FRAGEN RUND UM DEN BIO-MARKT

DER BUND HAT MIT DER NOTVERORDNUNG AUCH ANPASSUNGEN IN DER VERORDNUNG ÜBER LEBENSMITTEL UND GEBRAUCHSGEGENSTÄNDE ERLASSEN. NAMENTLICH SOLLEN VERPACKUNGEN VON BIO-PRODUKTEN FÜR KONVENTIONELLE PRODUKTE MÖGLICH SEIN. WIE STEHT BIO SUISSE DAZU?

Auf Grund der Corona-Situation hat der Bund mit der Notverordnung auch Anpassungen in der Verordnung über Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände erlassen. Namentlich wird als Beispiel der mögliche Gebrauch der Verpackungen von Bio-Produkten für konventionelle Produkte erwähnt. Bio Suisse als privatrechtlicher Labelgeber der Knospe sieht diese Änderung sehr kritisch und wird allfällige Anfragen von Lizenznehmern abschlägig beurteilen. Für Bio Suisse wäre dies eindeutig eine Konsumententäuschung. Lizenznehmer müssen Änderungen an/auf der Verpackung der Geschäftsstelle von Bio Suisse melden und müssen durch diese freigegeben werden.

WIE ENTWICKELT SICH DER BIO-MARKT IN DIESEN HEKTISCHEN ZEITEN?

Die Bio-Märkte entwickeln sich sehr dynamisch und die Situation ändert sich laufend. Wie der gesamte Lebensmittelmarkt verzeichnen wir momentan ein Absatzwachstum von 20-30 Prozent. Auf der Angebotsseite arbeiten die Produzenten mit Hochdruck daran, die Nachfrage zu decken. Im Milchmarkt kann die zusätzliche Nachfrage weiterhin mit Schweizer Bio-Milch bedient werden, beginnt doch mit dem Weidegang die milchstarke Jahreszeit. Die Bio-Milchorganisationen überprüfen die Situation laufend - auch mit Blick auf die im Herbst beschlossenen Massnahmen wie zum Beispiel der Warteliste. Im Bereich der Bio-Eier fiel die Hausse in eine Zeit, während der normalerweise weniger Eier konsumiert werden und die Lager gut gefüllt sind. Die Kapazitäten reichen bisher aus. Die langfristigen Auswirkungen auf den Bio-Eiermarkt können wir allerdings noch nicht abschätzen. Der übrige Fleischmarkt steht aktuell unter starkem Druck. Das wirkt sich auch auf das Bio-Segment aus: Kälber, Rinder, Ochsen, Muni und Kühe geben um 20 Rp. nach. Obwohl Tränker noch auf Bio-Betrieben platziert werden können, macht sich auch hier der Rückstau beim Bankvieh bemerkbar. Deshalb wird der Richtpreis um 30 Rp. gesenkt. Stark getroffen sind auch die Bio-Gärtnereien, die in der Hauptsaison ihre Verkaufsstellen geschlossen halten müssen. Die Entscheidung des Bundesrats vom 9. April 2020 zur schrittweisen Lockerung der Massnahmen ab 26. April 2020, gibt Anlass zu Hoffnung, dass sich die Situation der Gärtnereien bald entspannt.

Geplante Absatzförderungsmassnahmen, wie Degustationen und Promotionen mit Kundenkontakt, werden nun bis mindestens Mai ausgesetzt. Da sich die meisten Produkte momentan ohnehin gut verkaufen, stellt uns das nicht vor allzu grosse Herausforderungen. Jedoch ist die Frage, ob und wann diese Aktivitäten nachgeholt werden können.

UNTERSTÜTZT BIO SUISSE IHRE BETRIEBE, WENN SIE IHRE PRODUKTE NICHT ABSETZEN KÖNNEN?

Hofläden in Stadtnähe profitieren von der guten Nachfrage. Selbstvermarkter, die auf Märkte angewiesen sind, suchen nach anderen Möglichkeiten und prüfen diese mit den zuständigen Behörden. Für bäuerliche Gastronomie und Freizeitanbieter ist die Situation so schwierig wie für die übrige Gastronomie und Kultur-Branche.

GEMÜSE

BEFÜRCHTEN DIE GEMÜSE-PRODUZENTEN PROBLEME FÜR DIE KOMMENDE SAISON, SOLLTEN DIE MASSNAHMEN ZU SOCIAL DISTANCING ANHALTEN ODER GAR NOCH VERSCHÄRFT WERDEN?

Grundsätzlich kann die inländische Produktion aufrechterhalten werden und die Versorgung sollte weiterhin gewährleistet werden können. Aktuell gibt es auch noch Importe (Bsp. aus Spanien). Wie sich die Situation mit den Importen weiterentwickelt, muss man beobachten. Bei den Lagerprodukten wie Kartoffeln oder Karotten wurden die Lager in den letzten Tagen überdurchschnittlich schnell abgebaut. Bei einigen Produkten muss deshalb wohl früher als geplant auf Importe umgestiegen werden, bis wieder die neue Ernte in der Schweiz beginnt. Die Versorgung der Bevölkerung sollte aber weiterhin sichergestellt werden können.

Die neue Saison läuft in diesen Tagen an. Der Gemüsebau und insbesondere der Bio-Gemüsebau sind sehr arbeitsintensiv. Viele Arbeitskräfte sind Saisonarbeiter aus europäischen Staaten. Wenn diese allenfalls nicht einreisen dürfen, stehen die Gemüsebetriebe vor grossen Herausforderungen. Wenn zum Beispiel jetzt die Salate nicht gepflanzt werden können, kann dann auch in einigen Wochen nichts geerntet werden. Die Versorgung der Schweiz mit frischen Lebensmitteln muss sichergestellt werden können. Mehr Informationen dazu auch jeweils im neusten Newsletter vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten.

VIEL BIO-GEMÜSE IST IN PLASTIK VERPACKT. DAS VERSPRICHT DEN KUNDINNEN UND KUNDEN EINE BESSERE HYGIENE IM VERGLEICH ZUM OFFENVERKAUF. WIE LANGE HALTEN SICH DIE VIREN AUF PLASTIKOBERFLÄCHEN?

Wie lange das Virus auf Oberflächen überlebt, kann noch nicht gesichert gesagt werden. Eine Übertragung des neuen Coronavirus durch Lebensmittel auf den Menschen ist bis jetzt nicht bekannt (BAG, Stand 20.3.2020).

WURDEN DIE HYGIENEVORSCHRIFTEN FÜR VERARBEITUNGS- UND VERPACKUNGSBETRIEBE VERSCHÄRFT?

Die Hygienestandards in der Verarbeitung sind bereits sehr hoch. Die Hygienemassahmen im Bereich der Mitarbeiter (Desinfektion/Händewaschen usw.) wurden aber noch verschärft, insbesondere zum Schutz der Mitarbeitenden.

ACKERKULTUREN


BIO-BROTGETREIDE WIRD ZU GROSSEN TEILEN IMPORTIERT. BESTEHEN AUCH FÜR BIO-GETREIDE PFLICHTLAGER DES BUNDES? WIE LANGE REICHEN DIE LAGERBESTÄNDE IM FALLE EINER IMPORTSPERRE?

Die Mühlen haben grosse Lagerbestände und vermahlen aktuell mehr Getreide als sonst. Die aktuellen Lagerbestände plus die Übermengen aus der Ernte 2019 sollten bis Ernte 2020 reichen.

FLEISCH, GEFLÜGEL, EIER UND MILCHPRODUKTE

WIE SIEHT DIE MARKTENTWICKLUNG BEI TIERISCHEN BIO-PRODUKTEN AUS?


MILCH

Seit der Bundesrat am 17. März die "ausserordentliche Lage" ausgerufen hat, verzeichnet der Detailhandel vor allem bei haltbaren Bio-Milchprodukten (UHT-Milch, Butter, Fondue, Hartkäse) deutliche Umsatz- und Absatzsteigerungen. Auch Frischprodukte (Pastmilch, Jogurt, Quark), werden häufiger eingekauft, wenn auch in moderateren Mengen. Dies als Folge der vermehrten Heimarbeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, der geschlossenen Restaurants und des eingeschränkten Grenzverkehrs. Der Detailhandel rechnet damit, dass dieser Trend auch in den kommenden Wochen anhalten wird. Einige Verarbeiter mussten die Produktionskapazitäten kurzfristig stark erhöhen, spüren jedoch bereits Anzeichen einer Normalisierung. Dank den milchstarken Frühlingsmonaten kann der gesteigerte Bedarf mit der verfügbaren Schweizer Bio-Milch gedeckt werden.

FLEISCH

Die Metzgereien und der Viehhandel stehen unter Druck. Je nach Fleischart werden bis zur Hälfte des Schweizer Fleisches über Gastronomie und Events abgesetzt. Engpässe beim Personal wegen Krankheit oder Grenzkontrollen setzten die Verarbeitungskapazität bereits Ende März spürbar herab. Die verbleibenden Arbeiter geben ihr Bestes und leisten Überstunden. Wenn die konventionellen Preise unter Druck geraten, hat dies auch einen negativen Einfluss auf die Bio-Produzentenpreise. Die Nachfrage im Detailhandel ist hingegen sehr gut, was dem Bio-Fleischabsatz zu Gute kommt. Die Angebote sind im normalen Bereich, ausser bei den Kälbern gibt es nirgends eine Überversorgung.
Neben dem Detailhandel macht die Direktvermarktung von Bio-Fleisch einen nicht unwesentlichen Umsatz. Da Fleisch verpackt angeboten wird und wegen des eher hohen Warenwerts auch Hauslieferungen Sinn machen, kann darin eine Chance bestehen.
Knospe-Fleisch wird nicht importiert, die Inlandversorgung ist gewährleistet.

EIER

Die Nachfrage nach Bio-Eiern ist stark angestiegen. Gründe:
  • Es wird mehr zu Hause gekocht, was den Bio-Anteil erhöht.
  • Es werden auch vermehrt verarbeitete Produkte (Eierteigwaren etc.) gekauft. Das Angebot an Schweizer Bio-Eiern kann aber nicht kurzfristig ansteigen, dies benötigt lange Planung mit Aufbau neuer Ställe etc. Steigt die Nachfrage weiterhin, kann ihr unter Umständen nicht gerecht werden.
Vor Ostern sind die Lager aber meist gut gefüllt. Aktuell kann hierauf zurückgegriffen werden. Für Ostern ist nochmals mit steigender Nachfrage zu rechnen. Diese könnte einen stärkeren Engpass herbeiführen als in Vorjahren. Wie sich die heute hohe Nachfrage längerfristig auswirkt, ist schwer abzuschätzen.

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